Luzerner Zeitung, 15. Mai 2017 – Autor: Haymo Empl


Im Hit-Express durch vergangene Zeiten

 

Eine rockige Band trifft auf ein Unterhaltungsorchester: Das Konzert von Toni Vescolis (75) Les Sauterelles mit der Lucerne Concert Band war auch für den Dirigenten Gian Walker (30) ein Modell für den Schulterschluss der Stile und Generationen.

 

 

 

Passender hätte das Datum kaum gewählt werden können: Während Europa sich am Samstag am Eurovision Song Contest im Wettsingen mass, fand im KKL quasi ein Wettspielen statt. Nur: Während sich die Beiträge am ESC teilweise durch fragwürdige Qualität auszeichneten, überzeugten die Musiker im KKL durch Können.

Auf dem Programm und mit der Lucerne Concert Band auf der Bühne standen Les Saute­relles, die (einzige) legendäre Schweizer Beatband aus den 1960er-Jahren mit Toni Vescoli als Frontmann. Wobei, das Spektakel als «nur» ein Les-Saute­relles-Konzert abzuhandeln, würde dem Anlass nicht gerecht werden. Es war nämlich vielmehr eine Zeitreise durch zwei Dekaden, die unter anderem für musikalische Aufbruchstimmung stehen.

 

Nostalgie aus der Beat-Epoche

Bereits im Intro, das ausschliesslich über die Lautsprecher zu hören war, wurden Fragmente aus der damaligen Zeit eingespielt. Etwa, dass die PTT darauf hinweisen möchte, dass man künftig nur noch Briefe mit einer Postleitzahl verschicken soll. Oder dass das Sonntagsfahrverbot nun doch nicht ausgeweitet werden müsse (was zeitlich also etwa um das Jahr 1973 einzuordnen wäre). Item, das Intro stimmte das Publikum im praktisch ausverkauften KKL bestens ein. Und ab jenem Moment, als Dirigent Gian Walker mit der Lucerne Concert Band loslegte, war klar, dass man sich auf einen inspirierenden Abend freuen durfte.

Dass dieses Jahr gerade Les Sauterelles auf der Bühne deren Gäste waren, war natürlich kein Zufall: Die vier Musiker feiern 2017 ihr 55. Bühnenjubiläum. Nun ist die Hoch-Zeit dieser Combo zwar schon etwas vorbei; die Musiker sind alle weit über dem Pensionsalter, und allein der Name wirkt schon angestaubt. Im Gegensatz dazu besteht die Lucerne Concert Band aus eher jungen Musikern – ihr Leiter Gian Walker ist gerade einmal knapp über dreissig Jahre alt. Das ist gewagt, denn ein solches Programm spricht eigentlich sehr unterschiedliche Zielgruppen an.

 

Souveräner Beni Thurnheer

Gäbe es da nicht die Musik, die bekanntlich generationenübergreifend sein kann. «Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass gerade Künstler, die man vergessen geglaubt hat, dem Publikum eine willkommene Abwechslung bieten», erklärt Walker. «Ausserdem haben der gute Ticketverkauf und die Rückmeldungen zahlreicher regelmässiger Konzertbesucher eine klare Sprache gesprochen», so Walker weiter. Die Lucerne Concert Band hat ja auch nicht einfach nur aufgrund des Bühnenjubiläums Les Sauterelles eingeladen. Vielmehr wurde das ganze Programm harmonisch aufeinander abgestimmt – und das hat absolut funktioniert. «Wir haben ein Budget pro Konzert für sechs neue Arrangements, die wir teilweise an externe Komponisten und Arrangeure in Auftrag geben, andererseits schreibe ich selber auch für jedes Konzert solche Werke neu um», erklärt Walker.

Der Abend war furios, wozu auch Moderator Beni Thurnheer seinen Teil beitrug. Er mag zwar die personifizierte Biederkeit verkörpern, aber als Moderator ist er ein Profi. Bestens vorbereitet und offenbar ein sehr guter Musikkenner, führte er gekonnt durch den Abend. Beim Abba-Medley verwies er auf besagten Song Contest und nahm sich selbst als Person genau so weit zurück, dass genügend Raum für die beiden Hauptakteure blieb.

 

Vom Alter war nichts zu spüren

Und wie spielten denn nun Toni Vescoli und seine Mitmusiker von Les Sauterelles? Um ihr Können angemessen zu beurteilen, fehlen entsprechende Vergleichsmöglichkeiten. Sogar der direkte Vergleich «damals und heute» fehlt, da die Band sich mehrmals neu orientierte, auch in neuen Besetzungen. Aber geklungen haben die Musikurgesteine gut, vom fortgeschrittenen Alter war nichts zu spüren. Man hatte am Samstag aber auch nichts dem Zufall überlassen: «Ich traf mich mit Toni Vescoli und Düde Dürst, um das Repertoire festzulegen. Wir entschieden uns dazu, drei gemeinsame Proben zu machen, und vor der ersten gemeinsamen Probe habe ich mit der Lucerne Concert Band die Werke einstudiert. Die Chemie stimmte auf Anhieb, es wurde viel gelacht.»

Dennoch verstehen sich Les Sauterelles als eine Band, die eher auf der rockigen Seite ste­ht. «Das war ein Knackpunkt: Les Sauterelles sind es nicht gewohnt, unter einem Dirigenten aufzutreten. Ein Unterhaltungsorchester mit 50 Musikern reagiert natürlich etwas träger als eine vierköpfige Popband. Wir haben uns aber dann sehr schnell gefunden», so der musikalische Leiter weiter. Dieses «Sichfinden» hat sich dann auch am Konzertabend gezeigt, das Publikum – anfänglich noch etwas zögerlich – klatschte bald mit. Neben eher massentauglichen Stücken gab es da und dort auch einmal eine kleine experimentelle Spitze, aber immer so, dass das KKL-Publikum nicht verstört wurde.

 

Concert Band mit viel Power und Druck

Als «der Mann am imaginären Mischpult» stimmte Walker die Balance der Lautstärke und den Klangausgleich zwischen den einzelnen Registern und Musikern optimal aufeinander ab. Les Sauterelles kamen bei einem Drittel des Programms quasi als neues Register hinzu, das in den Apparat eingegliedert werden musste.

Die Lucerne Concert Band spielte als Unterhaltungsorchester mit unglaublich viel Power und Druck ihre Trümpfe aus. «Das ist zum einen sehr positiv, weil man dem Publikum ein kraftvolles Hörerlebnis bieten kann», meint Walker dazu: «Andererseits ist es für mich eine grosse Herausforderung, den ‹fahrenden Schnellzug› so zu bändigen oder zu kontrollieren, dass er unsere Gäste auf der Bühne nicht überrollt.»

«Die gemeinsamen Songs sollten nicht ein ‹Les Sauterelles mit Begleitung› oder ‹Lucerne Concert Band mit vier zusätzlichen Musikern› sein, sondern zu einem homogenen Ganzen verschmelzen», fasst Gian Walker zusammen. Und hat damit auch ein wunderbares Fazit für diesen Samstagabend geliefert: Das Konzert war ein Schnellzug durch die Hits einer vergangenen Zeit. Und dieser Schnellzug ist sicher am Ziel angekommen.

 
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